Kapelle

Was tut man, wenn der alte Friedhof zu klein wird? Richtig, man baut einen neuen! Auf die Idee kamen auch bereits 1914 die für die Friedhofsplanung Zuständigen. Ungefähr 1930 erhielt der daraufhin entstandene Zusatzfriedhof sogar eine eigene kleine Kapelle, die heute, wenn auch inzwischen entweiht, noch existiert.

 

Der netten Einladung über dem Haupteingang stehen in der Realität leider heutzutage fest verschlossene Türen gegenüber. Die Begründung: Einsturzgefahr. Zu schade, von außen sieht die Kapelle nämlich ziemlich vielversprechend aus.

Dafür, dass der Friedhof jetzt einfach so zu einem Lost Place verfallen gelassen wird, klingt die Entstehungsgeschichte recht aufwendig.

 

Zuerst wurden einige Probegräber ausgehoben, in denen getestet werden musste, ob sie sich mit Grundwasser füllen würden. Außerdem befanden sich in der Nähe mehrere Schlachthöfe und Brunnen. Das heißt, es musste auch erst sichergestellt werden, dass die Toten diese nicht vergiften würden.

 

1914 starteten die Verhandlungen zum Kauf des damaligen Ackerlandes. Erst 1918 wurde der Friedhof eingeweiht.

Trotz des vorherigen Mangels an Grabflächen stand nun anscheinend so viel Platz zur Verfügung, dass ein großer Teil des Geländes als Gartenfläche verpachtet werden konnte. Auch heutzutage ist der tatsächliche Friedhof auffallend winzig. Darum herum ist ein Wohngebiet entstanden, vom einstigen Ackerland gibt es keine Spur mehr zu sehen.

 

Am 28.1.1918 wurde der Beschluss gefasst, dass nur Mitglieder der zugehörigen Gemeinde auf dem Friedhof begraben werden dürften. Wie man auf einem unserer Bilder sieht, wurden später sogar bereits vor Jahren verstorbene vom alten, überfüllten Friedhof auf den neuen umgebettet.

 

Die Gräber dieser sind heute tatsächlich auch am besten erhalten. Auf dem Boden über ihren Ruhestätten wächst ein recht gut gepflegter Bodendecker, der sie sich deutlich von den freien Rasenflächen abhebt. Andere Gräber sind größtenteils nicht einmal durch einen Grabstein, geschweige denn einer Tafel wie der auf dem Bild, gekennzeichnet.

Bis ins Jahr 1930 gab es auf dem Friedhof wohl tatsächlich nur Gräber. Erst später wurde die Kapelle, die dort jetzt noch steht, errichtet.

 

Heutzutage wirkt sie mit ihrer grauen, schmutzigen Fassade, den Graffiti und den verschlossenen oder gar zugemauerten Türen etwas trostlos, aber kleine Details wie zum Beispiel die schönen Buntglasfenster oder die Bildhauerei über dem Haupteingang lassen doch noch erkennen, dass es früher sicherlich einmal ein ganz hübscher Ort gewesen sein könnte.

Seit 1977 können keine neuen Grabstätten mehr erworben werden. Die Zukunft des Friedhofs selbst ist auch noch unklar.

Es gibt verschiedenste Gerüchte über Renovierungen, Abriss und Neubauten. Mal sehen, was da noch kommt in den nächsten Jahren - theoretisch sollte wohl 2014 bereits eine Entscheidung gefällt worden sein. Davon ist aber noch nichts zu bemerken...

 

 

Quelle: offizielle Website der Lessingstadt Wolfenbüttel 

 Bilder vom: 27.11.2016



Unsere Bewertung: 2

 

Schwierigkeitsgrad: 1