Freiherr-Von-Fritsch-Kaserne


Von 1937 bis 1939 wurde auf dem heute 27 Hektar großen Gelände eine Artilleriekaserne, in der Flugabwehrkanoneneinheiten gelagert werden sollten, errichtet. Dazu wurden mehrere Gebäude gebaut, die zum Teil auch heute noch stehen, unter anderem Wohnkomplexe und Maschinenhallen.


Nachdem die Kaserne infolge eines Luftangriffes im Jahre 1943 zu großen Teilen zerstört worden war, lag sie vorerst einige Zeit still. Erst nach Kriegsende hatte sie als Unterkunft für sogenannte Displaced Persons, also heimatlose Ausländer, die im ZUge des Krieges als Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene nach Deutschland verschleppt worden waren, in der Region wieder einen Nutzen. Bis 1959 diente sie diesem Zweck, dann jedoch bezog das Artillerieregiment 1 im Jahre 1960 das Gelände und brachte einzulagernde Feldartillerie mit.


1964 erhielt die Kaserne ihren heutigen Namen. Thomas Ludwig Werner Freiherr von Fritsch (1880-1939), nach dem das Gelände benannt ist, war im zweiten Weltkrieg Generaloberst des Heeres und äußerte Hitler gegenüber offen seine Bedenken an dessen Vorhaben, was vermutlich wohl auch zu seiner Entlassung 1938 geführt haben mag. Gestürzt wurde von Fritsch durch eine Intrige.


Es wurde ihm Homosexualität "vorgeworfen", was damals noch strafrechtlich verfolgt wurde. Sehr zum Ärger der Gestapo wurde er aber für nicht "schuldig" befunden und rehabilitiert. Seinen alten Posten bekam er jedoch nicht zurück.  Er  wurde Chef des Artillerieregiments 12 und starb schließlich in einer Schlacht in Polen an einem Oberschenkelschuss, dessen ärztliche Behandlung er strikt verweigerte.


Im Jahre 1972 zog ein Versorgungs- und Nachschubsbataillon in die Kaserne ein, 1992 dann der Heeresmusikkorpus. Viele der alten Maschinenhallen wurden in dieser Zeit vermutlich schon gar nicht mehr wirklich gebraucht.

2000 wurde das Gelände dann zum letzten Mal  als Unterkunft für Menschen genutzt. Während der EXPO wurden die Wohngebäude von Polizisten genutzt, danach allerdings musste die Kaserne endgültig aufgegeben werden.


Seitdem steht die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne leer. Die Bombenschäden aus dem zweiten Weltkrieg wurden zwar alle mehr oder weniger repariert, aber die Zeit und der Vandalismus rücksichtsloser Eindringlinge haben deutlich ihre Spuren hinterlassen. Im September 2016 brach dort sogar ein Feuer aus, vermutlich Brandstiftung.

Genutzt wird das Gelände ab und an noch für Übungseinsätze von Polizei und Feuerwehr, allerdings sind davon wohl eher die  Freiflächen als die baufälligen Häuser betroffen. Der Boden ist als Folge der militärischen Aktivitäten mit Munitionsresten und umweltbelastenden Abfallstoffen belastet, zusätzlich dazu kommt der viele Bauschutt.


Trotz dieser zahlreichen Missstände ist eine Weiternutzung des Geländes geplant. Im November 2015 kaufte die Niedersächsische Landesgesellschaft die Kaserne. Nun sollen 40 - 100 Millionen Euro (je nachdem, welcher Zeitung man glauben schenkt) in die Reinigung des Bodens und den Bau von etwa 575 Wohnungen für schätzungsweise 1500 Menschen investiert werden. Zusätzlich sollen mehrere Läden und ein Kindergarten errichtet werden. Ein bisschen schade um die alten Gebäude ist es natürlich schon, aber gemessen am jetzigen Grad der Zerstörung und der Umweltbelastung dort scheint es dennoch eine gute Idee zu sein.

Update: Der Beginn der Abrissarbeiten ist nun offiziell für 2019 angesetzt, bis 2023 sollen alle Neubauten vermarktet worden sein. Das größte Problem in diesem Prozess wird vermutlich die vollständige Kampfmittelbeseitigung darstellen - schließlich sind nicht nur Wohnungen, sondern unter anderem auch Kindertagesstätten geplant, und da sind Rückstände von alter Munition wirklich das letzte, was man im Sandkasten finden will, nicht?


Quelle: u.A. Hannoversche Allgemeine Zeitung

Bilder vom: 04.01.2017


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