altes Klinikum

Seit 2011 steht das einstige Klinikum der Helios-Gesellschaft leer und verfällt nun langsam. Die Prospekte, auf denen wir hier stehen, waren ursprünglich mal in die Postkästen direkt darüber einsortiert, aber jemand fand es wohl ganz lustig, den Boden mit ihnen zu dekorieren. Aber nicht nur Altpapier, auch Matratzen, Fernseher und weitere Einrichtungsgegenstände sind bereits dem Vandalismus zum Opfer gefallen. An vielen Stellen des Krankenhauses ist der Boden mit Schrott und Sperrmüll bedeckt.


Unglücklicherweise kam es im Laufe der Zeit aber auch zu einigen weit schlimmeren Vorfällen als wahlloser Umdekorierung, zum Beispiel Brandstiftung und einem Leichenfund, weshalb das gesamte Gebiet jetzt beinahe lückenlos von einem mit Panzerdraht dekorierten Zaun umgeben ist und die Gebäude (angeblich) von innen videoüberwacht werden.

Mit diesen Maßnahmen soll die Möglichkeit zur Weiternutzung offengehalten werden. Genau damit scheint es in letzter Zeit jedoch massiv Probleme zu geben.


 

Zum Ärger der Regierung der Stadt Gifhorn wurde die sieben Hektar große Fläche an einen Berliner Konzern, der Asylheime und Flüchtlingsunterkünfte betreibt, verkauft. Passiert ist mit dem Gelände bisher jedoch leider noch nichts Weiteres. Das liegt vermutlich primär daran, dass, wie vor kurzem festgestellt wurde, der besagte Berliner Konzern eigentlich gar nicht existiert... Bisher wurde noch kein Cent des Kaufpreises bezahlt, und die angegebene Adresse des Firmensitzes ist fiktiv.



 

Der Plan, das Krankenhaus einfach an einen anderen Investor zu verkaufen, der tatsächlich sogar konkrete Pläne zur Restaurierung und Weiternutzung der Gebäude hat, scheitert momentan an der unglaublichen Tatsache, dass der nicht-existente Berliner Konzern gegen dieses Vorhaben vor Gericht Einspruch eingelegt hat, der zu allem Überfluss auch noch stattgegeben wurde! Wie sich diese Geschichte letztendlich auflösen wird, wird sich wohl in den nächsten Monaten zeigen.


Ein YouTube-Video des Kanals Lost Places löste übrigens vor einiger Zeit einen weiteren Skandal um das Krankenhaus aus und sorgte drei Wochen lang für Schlagzeilen. Die Urheber des Videos hatten ihren Besuch in der verfallenen Klinik gefilmt und dabei zahlreiche Blutkonserven, Patientenakten und Bewerbungen entdeckt - also einen ziemlich heftigen Verstoß gegen den Datenschutz. Es ist stark zu vermuten, dass auch dies ein Grund für die aufwendige Sicherung des Geländes ist. Unsere eigenen Erfahrungen zeigen immerhin, dass zumindest das offensichtlich einsehbare fragwürdige Gut inzwischen entsorgt wurde.



Kernstück der Anlage ist nebst den eigentlichen medizinischen Einrichtungen für uns eindeutig das Schwesternwohnheim. Dort wohnten die angehenden Krankenschwestern und -pfleger während ihrer Ausbildung. Das mehrstöckige Hochhaus verfügt nicht nur über mehrere kleine Wohnung, deren Möblierung zum Teil noch komplett erhalten ist, sondern auch über ein eigenes kleines Schwimmbad, einen Keller mit Gemeinschaftsraum und verschiedene Klassenzimmer für den theoretischen Unterricht. Zudem verstauben zahlreiche medizinische Lehrwerke in den Regalen und warten nur darauf, wieder gelesen zu werden.


Aber auch die ehemals wichtigsten Gebäudetrakte des Krankenhauses, also die Stationen und Behandlungsräume, sind natürlich einen Blick wert. Große Teile der Einrichtung wurden zwar bereits geplündert oder aus dem Fenster geworfen, doch es lassen sich noch immer die Grundstruktur und der einstige Verwendungszweck der meisten Räume erkennen. Auch Beschriftungen und Ausschilderungen sind noch erhalten und erleichtern die Orientierung sowie das Nachempfinden vergangenen Geschehens. Manchmal sind auch noch kleine Perlen zu finden, wie zum Beispiel der Friseur oder der OP.



Besonders interessant ist außerdem der Keller. Er ist die unterirdische Verbindung zwischen allen Gebäuden und demnach extrem weitläufig. Über normale Gänge oder Lüftungsschächte kann man über ihn so gut wie jeden Punkt des Häuserkomplexes erreichen. Zudem beherbergt er unter anderem die Küche, ein Archiv, mehrere Lagerräume und vermutlich auch die Pathologie, welche wir selbst leider nicht finden konnten.

Leider ist der Keller den vielen schwarzen Stellen nach zu schließen auch sehr beliebt bei (unabsichtlichen) Brandstiftern.


Zur Zeit befindet sich das ehemalige Krankenhaus ein bisschen im Wandel. Die Perspektive auf eine eventuelle Weiternutzung macht einen Besuch dort für uns persönlich gerade etwas weniger attraktiv, da wir als harmlose Fotografen nicht mit Vandalisten verwechselt werden wollen, auf die im Moment sicherlich ein besonderes Augenmerk gelegt wird, damit das Klinikum nicht doch noch ganz abbrennt, bevor der Kaufvertrag unterschrieben und das neue Projekt begonnen werden kann. Bis auf Weiteres ist von einer Besichtigung also vielleicht eher abzuraten.                                  



Update: Mittlerweile hat sich die Eigentümer-Frage um das Klinikum doch endlich etwas erklärt. Die Stadt Gifhorn hat das Gelände nach einem eingeleiteten vorläufigen Insolvenzverfahren gegen den vorherigen Käufer zurückbekommen und scheinbar auch bereits einen neuen (endlich mal real existenten!) Investor am Start. Dieser hat vor, anstelle der verlassenen Bauten neuen Wohnraum zu schaffen und damit den Immobilienmarkt in der Region etwas zu entspannen. Bisher soll es zwar keine konkrete Bauvoranfrage geschweige denn einen Bauantrag geben, doch zumindest die vorgelegten Ideen und Konzepte scheinen schon äußert positive Resonanzen hervorgerufen haben. Man kann also noch hoffen!


Quellen: Lostplaces: Blutproben vergessen? (Ehemaliges Kreiskrankenhaus) des YouTube-Kanals lostplaces

Aller Zeitung/Wolfsburger Allgemeine Zeitung

 

Bilder vom: 24.09.2016/19.02.2017


                                                                                                                                                                                   Unsere Bewertung: 5

                                                                                                                                                                                 

Schwierigkeitsgrad: 4