Reiterstaffel

(inzwischen abgerissen)

 

Ich denke, wenn sich ein Besuch gelohnt hat, dann der in der ursprünglichen Reiterstaffel. Von außen ist sie eigentlich recht unscheinbar, aber von innen kommt es einem vor, als sei man in einer anderen Welt. Zu erkennen sind noch die alten Stallungen, sowie die Maschinenräume und -schuppen, sowie auch Teile der Reithalle.

Allerdings sollte man doch die Augen offen halten, denn nicht selten wird sie von anderen als Obdach genutzt...

 



Als im 12. Jahrhundert noch die Lepra ein Problem war, stand an dieser Stelle ein Siechenkrankenhaus. Der Standort am Rande des damaligen Siechenholzes, in welches die Erkrankten verbannt wurden, war dafür natürlich perfekt. Außerdem gehörte der Flecken (der kleine Ort) St. Leonard zu dieser Zeit auch noch nicht zu Braunschweig dazu.

Später wurden die Bauten zu einem Kloster und wurden  in Klosterdomäne St. Leonard umbenannt. Bis ins Jahre 1867 wurden dann Neubauten fertiggestellt, bei denen es sich um die heutige Reithalle, sowie die     Stallscheunen und Stallungen, aber auch das Verwaltungsgebäude, handelte.


Als der Klosterhof ab 1888 aus wirtschaftlichen Gründen jedoch nicht mehr fortgeführt werden konnte, löste er sich in eine getrennte wirtschaftliche Einheit auf, woraufhin ein neuer Exerzierplatz entstand, der den militärischen Bedürfnissen entsprach (heute ist dieser jedoch nicht mehr erhalten, da ist jetzt ein Parkdeck).

Durch dieses Vorgehen, ermöglichte sich ein Umzug des damaligen Landgestütes nach St. Leonhard und der Ort wurde als solches bis 1934 genutzt.

 



Am 30. April 1912 wurde der Entschluss gefasst, in Braunschweig eine Polizeireitstaffel zu gründen. Als solche würde das Gelände bis 1978 genutzt, wobei die Reithalle zweiten Weltkrieg völlig ausbrannte. Zusätzlich zu den obligatorischen Ställen und diversen Lagerräumen gab es auch eine eigene kleine Tankstelle für Kraftfahrzeuge.

Noch heute hat die Ruine unserer Meinung nach irgendwie noch eine ziemlich bedrückende Atmosphäre. Vielleicht liegt es daran, dass man sich wirklich wie auf Zeitreise und in den Krieg versetzt fühlt?


Wer diesen Ort noch besuchen können möchte, sollte sich allerdings besser beeilen! Obwohl die Gebäude unter Denkmalschutz stehen, sollen sie in nicht allzu ferner Zukunft einigen Neubauten weichen. Die Bäume wurden inzwischen schon gefällt und auch kleine Teile der Gebäude stehen nicht mehr, beispielsweise die Tankstelle.

Leider wurde uns auch der Einstieg inzwischen erschwert, sodass wir nur noch durch ein kleines Fenster in das Innere gelangen konnten.

Es ist schade, einen so einzigartigen Lost Place verlieren zu müssen :(



 

Stattdessen sollen an dieser Stelle jetzt fünf Neubauten errichtet werden, das größte unter ihnen sechsstöckig. Die Abrissarbeiten der historischen Mauern starten im April 2017.

In Zusammenarbeit des Unternehmens Borek-Immobilien, dem Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland und der Evangelischen Stiftung Neuerkerode soll das Quartier St. Leonhard entstehen. Dieses wird ein generationen-übergreifendes soziales Zentrum, in dem gelernt und gearbeitet werden können soll. Besondere Betonung liegt dabei darauf, dass auch physisch und psychisch eingeschränkte Menschen dort eine Chance bekommen. Die Pläne für das Areal wurden 2015 zum ersten Mal vorgestellt.

Generell ist dieses Vorhaben natürlich sehr lobenswert und gut, aber trotzdem  ist es schade, dass es auf Kosten einer Anlage geht, die in diesem Jahr (2017) ihr 150-jähriges Jubiläum zu verzeichnen hat und noch dazu eigentlich aus nachvollziehbarem Grund unter Denkmalschutz steht.

 



 

Dazu besteht die Frage, ob die nächstenliebenden  Akteure auch einen Vorschlag haben, wie man den zahlreichen Obdachlosen, die bis zur kompletten Abdichtung aller Zugänge in der Reiterstaffel ihren Unterschlupf und fast alle Besitztümer hatten, ebenfalls eine Möglichkeit zur Etablierung in der Gesellschaft bieten kann. Das wäre uns persönlich in dieser Situation mit eines der größten Anliegen.


Update: Im April 2017 begannen tatsächlich die ersten Abrissarbeiten. Inzwischen (Mai) stehen nur noch die Reithalle und die zwei Maschinenhallen. Stall, Schuppen und Tankstelle sowie mehrere große Bäume und Teile der Mauer wurden restlos entfernt. Durch die anhaltenden Arbeiten ist ein Betreten des Geländes nicht mehr möglich, würde sich aber ohnehin nicht mehr wirklich lohnen...

 

Quellen: Wikipedia (zu unserer Schande), eigene Beobachtungen

 Bilder vom: 30.04.2016/06.10.2016/ 06.03.2017/12.03.2017



Unsere Bewertung: 4

 

Schwierigkeitsgrad: 3